Schlagwörter: libertäre Pädagogik

Judith Suissa (2010): Anarchism and Education. A Philosophical Perspective

Judith Suissa (2010). Anarchism and Education. A Philosophical Perspective. Oakland: PM Press.

Suissa stellt in ihrem Werk die philosophischen Grundzüge des Anarchismus dar, v.a. des „Sozialanarchismus“. Auf dieser Basis erörtert sie weiterhin die Bedeutung der Pädagogik (education) für das Hinarbeiten auf eine neue, bessere Gesellschaft. Dabei geht es nicht darum eine vorgefertigte, „wissenschaftlich“ ausgearbeitete Version einer Gesellschaft zu erreichen, sondern es geht um bestimmte zugrundeliegende Werte (v.a. Solidarität, gegenseitige Hilfe, Brüderlichkeit/ Menschlichkeit) auf deren Basis in Richtung einer neuen Gesellschaft experimentiert werden muss. Dafür ist auch gerade die Schule/ education von Bedeutung (v.a. moralische Erziehung) und in diesem Sinne, Einübung und Erziehung zu den genannten Werten und kritischem und kreativem Denken, ein Teil der revolutionären Bewegung. In diese Richtung gibt es etliche Andeutungen bei anarchistischen Theoretiker*innen jedoch keine ausgearbeitete Pädagogik (was aufgrund der hohen Sensibilität gegenüber Hierarchien auch skeptisch beäugt werden würde).

Im Weiteren geht Suissa auf philosophische Fragen ein, wie z.B. die Sichtweise auf den Staat, Autorität, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Bedeutung von Hoffnung für eine politische Bewegung. Ein wichtiger Aspekt stellt noch die berufliche Bildung dar und deren Stellung innerhalb anarchistischer Theorie.

Auch grenzt Suissa die anarchistische Theorie immer wieder gegenüber der liberalen ab, arbeitet aber auch deren Gemeinsamkeiten heraus und zeigt damit auf, inwiefern letztere von ersterer Anregungen erfahren und profitieren könnte. Dabei wird der Liberalismus in verschiedenen Facetten gezeigt und v.a. auf die nicht notwendige Verknüpfung liberaler Theorie mit dem liberal-demokratischen Staat hingewiesen.

Suissa stellt ebenso exemplarisch Schulprojekte vor, sowohl anarchistischer als auch libertärer Natur. Dadurch gelingt es ihr zwischen anarchistischer und libertärer Pädagogik zu unterscheiden und, auch wenn es durchaus Gemeinsamkeiten gibt und die anarchistische Pädagogik als Teil einer libertären Pädagogik betrachtet werden kann, gilt dies nicht umgekehrt. Hauptunterscheidungsmerkmal ist dabei nach Suissa die politische Ausrichtung in Hinblick auf die Notwendigkeit einer neuen besseren Gesellschaft, der Basis anarchistischer Grundwerte und der Betrachtung der Einbettung in gesellschaftlich-politische Strukturen.