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Clara Zetkin (1904): Die Schulfrage

Zetkin, Clara (1904): Die Schulfrage. Referat, gehalten auf der 3. Frauenkonferenz in Bremen, Expedition der Buchhandlung Vorwärts, Berlin-Rahnsdorf.

In ihrer Rede auf der Bremer Frauenkonferenz legt Zetkin die Bedeutung der Schulfrage für die Sozialdemokratie, insbesondere für die sozialdemokratischen Frauen dar. Schule erscheint dabei für Zetkin in zweifacher Weise als wichtig: a) Strategisch als Agitationsthema, durch das „die Fehler des kapitalistischen Systems und der bürgerlichen Gesellschaft und die Überlegenheit der sozialistischen Anschauung aufgezeigt werden können“ (Seite 3) und b) da sie die Schule (das Ideal, das ihr vorschwebt), als zentralen Ort der Bildung der Jugend sieht, die die elterliche Erziehung zu ergänzen hat, diese Funktion in der bürgerlichen Gesellschaft aber nur schlecht und nur für eine Minderheit erfüllt.

Die Ergänzung von Schule und Elternhaus in der Erziehung stellt sich Zetkin so vor: „Elterliche Erziehung und öffentliche Erziehung lösen einander nicht ab, sondern vervollständigen sich. Wir können der elterlichen Erziehung im Heim nicht entraten, auf daß die Kinder zu starken Persönlichkeiten von ungebrochener Eigenart erwachsen. Wir bedürfen der gemeinsamen Erziehung in öffentlichen Anstalten, damit die Persönlichkeit nicht zum Individualitätsprotzen entartet, damit sie in brüderlicher Empfindung und Gesinnung mit allen, mit der Allgemeinheit verbunden bleibt und alles begreift, was sie ihr verdankt und was sie ihr schuldet“ (Seite 16).

In Zetkins Argumentation wird die Übernahme neuhumanistischer und romantischer Vorstellungen vom Menschen, der seine „Natur“ im Prozess der Bildung entfalten soll deutlich. Die in anderen Texten Zetkins deutliche Fokussierung der Erziehung als Erfordernis des Klassenkampfes taucht hier kaum auf. Dafür werden die prominenten sozialdemokratischen Forderungen nach Koedukation, einem einheitlichen Bildungssystem vom Kindergarten bis zur Hochschule vertreten.